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Review von Stefan Johannesberg

In der Mitte macht es vorsichtig klick klick: „Miracle“ bildet das Herzstück des sechsten Clan Albums und ein eigener Akt. Der RZA sieht sich nicht mehr nur als Produzent, er ist der Regisseur, die Emcees seine Schauspieler und das Album seine Rap Oper. Sein „Tommy“. „A Better Tomorrow“ verlegt die Wu Mansion nun auch musikalisch nach Hollywood und deckt das komplette bisherige Schaffen der Staten Island Emcees ab. Der Song beginnt mit einer ultra eingängigen Hookline, deren kristallklare Intonation in den Foren wahlweise als Disney Titelmelodie la Aladin („Wu Tang is for the children“, gell?) oder von gütig gesonnen Zeitgenossen als japanische C Movie Untermalung bezeichnet wird. „If a miracle, could save us from / The travesty, that we’ve become / If a million sons would stand as one / We will overcome, overcome.“

Trotz Disney, der Inhalt geißelt allein mit diesen paar Worten zum einen die eigenen Schwächen der Gruppe, nicht immer als eine Familie zusammenzuhalten, und zum anderen die Black On Black Crimes, die verpassten Möglichkeiten der afroamerikanischen Community. Diggt man noch tiefer, schlägt der RZA hier subtil gar die Brücke zu „Can It All Be Simple“ vom Debüt. Mit einem zuckersüßen Singsang. Skandal!

Der folgende Vers von Inspektah Deck könnte daher nicht heftiger einschlagen: „The whole world trippin‘, listen it’s still a cold world / The other day I had to bury my homegirl.“

Kalt, eiskalt. Das ganze Leben, die Liebe entweicht in zwei Zeilen. Der Beat pumpt dabei mit dicker Live Snare, hart und pathetisch, während neben dem Rebel noch Raekwon und Masta Killa ihre Verse auf den Punkt droppen. Da sich auch eine Oper nicht monoton zu Tode loopt, drehen sich Beat und Hook zum Schluss noch einmal um 180 Grad. Erst liefert Ghost eine ähnlich emotionale Performance wie bei „I Can’t Go To Sleep“ ab, und im Hook wird aus Disney ein krachig rockiges Sci Fi Drama.

Produziert wurde der Track von Killarmys 4th Disciple, neben DJ Mathematics der einzige Beatbastler, den der RZA auf Wu Scheiben auf Dauer neben sich duldet. Andere Egos la Kanye waren trotz vielfachen Fan Wunsches bei den Crew Werken nicht zugelassen. Alle Beteiligten müssen seiner Vision folgen, auch wenn diese sich mittlerweile weit weg von den Straßen Staten Islands bewegt. Irgendwo zwischen Broadway, Traumfabrik, Universum und Avantgarde sieht er sich und seinen Wu.

Wie anders lässt sich erklären, dass er auf einem Album seine gesamte Historie zitiert, sich nach den Sample Orgien zum Karrierestart durchs bloße Covern von Soul Standards mit den Ikonen versöhnt und erst wie Hudson Mohawke, dann wie Yeezus klingen möchte? Von den Beatles und Prog Rock Anleihen ganz zu schweigen. Der RZA sprengt Grenzen und verliert dabei zuweilen seine Emcees.

Im Opener „Ruckus In B Minor“ ändert er den Beat für jeden Rapper, insgesamt sechs Mal. Das ist pompöser Tarantino Style. Die Jungs am Mic? Nur noch Beiwerk. Die Egos? Entkleidet und gedrosselt, obwohl die Verse teilweise Top Level sind. Der GZA klang wohl seit 1995 nicht mehr so hungrig,
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Method Man findet seine Hook Game wieder. Trotzdem: ein „form like voltron“ ist und bleibt Rap Geschichte.

Der Clan ist ein Mythos und kommt 2014 genau so weit, wie der Abbott ihn tragen (und seine Freunde und Verwandten überzeugen) kann. Es war immer der RZAs Vision, seine Seele, seine Kunst, sein Sound, sein Konzept und sein Business. Das war 1993 in seinem Keller so, das war 1997 in seiner Wu Mansion so, und erst recht bei „The W“ bzw. der folgenden Leftover Platte „Iron Flag“, von „8 Diagrams“ ganz zu schweigen. Ohne das Engagement vom RZA kein Wu Tang Clan.

Eine Sache jedoch ist anders, im 21. Jahre des Clans: Der RZA hat endlich wieder ein stimmiges Album produziert, dass seinen Reiz erst nach diversen Durchgängen entfaltet. Manche mögen sich erinnern, wie viele Heads 1997 enttäuscht waren vom „Forever“ Album. Zu klar, zu seicht, nicht hart und düster genug, so lauteten damals die Vorwürfe. In der Retrospektive jedoch finden selbst Nerds kein zeitloser produziertes Meisterwerk, auf dem man auch noch beim dem 2385sten Mal neue Facetten und Verse entdeckt. Die folgenden „The W“ und „Iron Flag“ sind gut und „8 Diagrams“ leidet noch heute hörbar unter der fehlenden Konzentration RZAs. „A Better Tomorrow“ jedoch sieht nicht nur der sonst kritische Ghostface als bestes Werk seit „Wu Tang Forever“. Zurecht.

In „Felt“ kriecht RZA Alter Ego Bobby Digital wieder aus dem Kong und frickelt rasende Synthie Snares, Piano Loops und eine Gänsehaut Hook verquer ineinander, während sich Ghost an seine guten, alten Nonsense Verse erinnert: „I felt like it was the end of a dynasty / Like I was fighting a clique of five Chinese thieves / Karate slippers with slip ons so I kept slippin‘ / The floor was too smooth felt like I couldn’t catch a grip in.“ Mathematics „40th Street“ ist eine Art „Gravel Pit“ für Queen Fans, leider wie so oft bei Produktionen des Wu DJs schwach auf der Snare.

Besser macht es „Mistaken Identity“. Live Drums und 70er Pop Harmonien klicken wesentlich mehr als alles von „8 Diagrams“. „Hold The Heater“ ist ein klassisch straighter, Hook loser Wu Banga von 1997.

„Crushed Egos“ von Adrian Younge vergleichbar mit seinen „12 Reasons“ Produktionen überzeugt vor allem mit Raekwons Reminiszenz an ODB: „Meetings in the Vatican, drinkin‘ scotch with the Muscle Milk / Praises go to Ason, the dynasty Mr. Russell built.“ Und natürlich mit der Selbstironie im Refrain: „Egos are somethin‘ that the Wu Tang crush / These stupid jealous niggas, y’all ‚bout to get rust.“

Auch „Pioneer The Fronteer“ mit einen vollkommen durchgeknallten Wu Beatgerüst und Dusthead Lyrics vom RZA („In the valley of San Fernando / Found Q Tip’s wallet in El Segundo“) und das tief ins Dunkel der Nacht eintauchende „Necklace“ gefallen.

Das Album läuft dabei so stimmig ineinander über, dass selbst die etwas enttäuschende erste Single „Keep Watch“ mit ihrem Westcoast Groove und der extrem optimistische Altherren Soul mit Live Feeling auf „Preacher’s Daughter“ und „A Better Tomorrow“ funktionieren. Das ist eben auch Zielgruppenmusik. Vor allem zum Titeltrack können die Wu Fanatics nun auch auf ihrer Silberhochzeit tanzen, ohne negativ aufzufallen. Unnötig zu erwähnen, dass die Emcees mit Ausnahmen von einigen Cappadonna Versen auch hier wieder ihr A Game abliefern.

Den wunderbaren, romantischen Familienfilm rundet dann die „Wu Reunion“ gebührend und positiv als Happy End ab. Die Wu Fam sitzt am Tisch, isst, genießt den Zusammenhalt und lacht über die eigenen Kinder an den Nachbartischen. „My seeds grow and his seeds marry his seeds / My seeds grow and his seeds marry his seeds / That’s how we keep Wu Tang forever, baby.“
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