parajumpers air force ‚Düsseldorf‘ klingt schön

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Interview geführt von Gurly Schmidt

Rote Fabrik, Zürich, 3.5.16: Die Londoner Band Teleman tritt in der Reihe Ziischtigmusig („Dienstagsmusik“) im Caf Ziegel Oh Lac auf. Vor der Show noch ein kleines Interview.

Sänger Tom braucht dringend Schlaf, aber Pete, Jonny und Hiro begleiten mich in den betriebseigenen Kindergartenraum. Wir stellen einen Stuhlkreis mit den winzigen roten Kinderstühlchen.

Danke, dass ihr mir seit gestern auf Instagram folgt.

Das ist unsere neue Taktik, wir folgen allen.

Ich bin wirklich total verliebt in den Song „Düsseldorf“. Könnt ihr mir beschreiben, wie der Prozess abläuft, ein solches musikalisches Meisterstück zu erschaffen?

Jonny (lacht): Der Song wurde auf Tour geschrieben, als wir in Deutschland waren. Tom hat ihn eigentlich geschrieben, er ist ja gerade leider nicht hier, aber ich kenne die Geschichte: Wir tourten mit Metronomy durch Deutschland, er schrieb den Song Düsseldorf tatsächlich in Düsseldorf. Der Text handelt einfach über seinen Aufenthalt dort und was er da gerade gemacht hat. Da war ein Rummel dort mit Karussellen und so.

Und wie schreibt ihr die Songs, gibt es eine Songschreibroutine? Wie kommen die Bassline oder das Schlagzeug hinzu? Ist das immer gleich oder für jedes Lied anders?

Jonny: Das ist grundsätzlich sehr persönlich, also ein Song wird von einer einzelnen Person geschrieben. Eigentlich als Ganzes, also mit Bassline und Schlagzeug und allem. Und dann treffen wir uns und spielen uns gegenseitig unsere Lieder vor. Und dann finden wir heraus, welche wir am liebsten mögen. Und dann ändern wir Sachen. Also zum Beispiel arbeitet Pete dann ein wenig mehr an der Bassline. Vielleicht hat einer den Text geschrieben, hat sich aber nicht so sehr mit dem Bass beschäftigt, also schaltet sich einer von uns ein und macht den Teil einfach ein bisschen besser.

Und wer übernimmt die Führung?

Jonny: Das macht Tom!

Ich habe mir Düsseldorf immer wieder angehört. Und musste dann dabei an die klassische Shakespeare Dramastruktur denken.

(Die Jungs und ich beugen uns über eine Skizze des Verlaufs eines klassischen Theaterdramas und ordnen den Song „Düsseldorf“ den einzelnen Drama Abschnitten zu: Synthies am Anfang: Exposition, Spannungsaufbau, „kleine Verschnaufpause“ ohne Bass, Ent Spannung, Höhepunkt („put on put on your favourite song!“) und am Ende die Katastrophe: Oh Graus, das Lied ist aus! Unerwartet aufmerksam folgen mir die drei Musiker bei dem kleinen Ausflug in die Literaturtheorie.)

Pete: Ich glaube viele Popsongs haben sowas, aber „Düsseldorf“ hat zwei Solos, Gitarre hier und ein Synthesizersolo da, das aber lauter ist. Ja stimmt, es folgt dieser Kurve, aber das ist kein Alleinstellungsmerkmal für unser Lied, das passiert eigentlich in vielen Songs. Und es gibt ja einen Grund, warum diese Struktur funktioniert und auch immer wieder verwendet wird. Weil wir alle gelernt haben, Lieder auf diese Weise zu hören. Die Leute erwarten das ja zu einem gewissen Grad. Und dann veränderst du das nur ein kleines bisschen, und: berraschung .!

Nachdem ein Lied fertig ist, wisst ihr dann eigentlich ob das ein Hit wird? Ihr arbeitet so lange daran, verändert es, reißt es wieder auseinander, baut es wieder zusammen .

Pete: Normalerweise sagen uns die Leute aus unserem Management, von welchem Song sie glauben,
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dass es eine Single wird, die sind oft irgendwie scharf auf einen bestimmten Song. Und wir sagen dann „jaja ok“. Und dann nach einer Weile wird uns auch klar, dass es eine Single ist. Wenn man ein Lied lernt und immer wieder spielt, ist es schwer zu sagen, ob es einmal wichtiger sein wird als andere, sie werden erst später bedeutender durch die Publicity, die sie mit der Zeit bekommen, weil die Leute den Song kennen, ihn plötzlich mehr wahrnehmen. Aber ein Jahr zuvor haben wir das gar nicht so empfunden, man weiß das einfach dann noch nicht.

Jonny: Die Lieder sind dann noch wie Babys, die noch nicht groß geworden sind.

Könnt ihr eigentlich den deutschen Textpart in „Düsseldorf“ auf Deutsch aussprechen?

Jonny: Nein, wir spielen es jede Nacht, aber wir können es echt nicht aussprechen.

Könnt ihr mir mehr über die Frau sagen, die den deutschen Part spricht? Ist sie aus Düsseldorf?

Jonny: Sie ist eine unserer Freundinnen, sie ist Deutsche, aus Berlin, die Freundin unseres Tontechnikers. Und wenn man ganz genau hinhört merkt man, dass sie eine fette Erkältung hat, ihre Stimme klingt ziemlich verschnupft.

Und warum Düsseldorf? Der sexy Heavy Metal Umlaut? Ich meine, München hat auch einen und Zürich.

Jonny: Für uns Engländer hört sich das Wort Düsseldorf schön an, irgendwie blubbernd. Aber in der deutschen Sprache klingt es hässlich, also Leute haben uns gefragt, wieso wir ausgerechnet dieses Wort rausgesucht haben. Aber wir mögen den Klang sehr.

Hat Düsseldorf auch mit Kraftwerk zu tun, flirtet ihr als Band mit Kraftwerk?

Jonny: Nein, damit hat es überhaupt nichts zu tun. Klar, wir sind Fans, aber die Kraftwerk Verbindung wird in uns hineininterpretiert. Wir haben das nicht absichtlich in unsere Musik gepackt.

Hört ihr euch Krautrock an? Welche anderen Bands haben euch beeinflusst?

Pete: Ja! Wir hören Kraftwerk, NEU! . Ist doch klar, welche Bands wir hören, wenn man sich unsere Musik anhört.

Eine Mischung aus Pet Shop Boys und Velvet Underground?

Jonny: Diese Beschreibungen sind irgendwie faul, stereotypisch, kurzsichtig, so nach dem Motto, oh da sind Jungs mit drei Harmonien, die sind wie die Beach Boys. Oder sie haben sich wiederholende Vierviertel Takt Rhythmen, also ist es Krautrock. Die Leute stülpen eben ihre eigenen Beurteilungen drüber. Das ist Quatsch, wir klingen überhaupt nicht nach Beach Boys, nicht nach Kraftwerk, nicht nach Velvet Underground. Obwohl diese Bands natürlich toll sind, wir hören sie ja auch.
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